Lonesome Lake Festival
Offener Brief

Offener Brief

Kleine Festivals brauchen Verlässlichkeit

Offener Brief zur geplanten Kürzung des Festivalförderfonds

Das Lonesome Lake Festival war 2026 zum ersten Mal ausverkauft. Rund 500 Menschen kamen für mehrere Tage an die Schlegler Teiche bei Zittau – darunter etwa 120 Kinder und Jugendliche sowie zahlreiche Gäste aus Tschechien und Polen.

Für uns ist das ein großer Erfolg. Gleichzeitig ist jedoch unklarer denn je, unter welchen Bedingungen kleine und unabhängige Festivals wie unseres in Zukunft weiterarbeiten können.

Der Festivalförderfonds des Bundes soll nach den derzeitigen Planungen von vier Millionen Euro auf zwei Millionen Euro gekürzt werden. Für die unabhängige Festivallandschaft wäre das eine Halbierung der ohnehin begrenzten Unterstützung.

Wir appellieren deshalb an die politischen Entscheidungsträger*innen auf Bundes- und Landesebene:

Der Festivalförderfonds darf nicht halbiert werden. Er muss mindestens in seiner bisherigen Höhe von vier Millionen Euro fortgeführt und langfristig verlässlich abgesichert werden.

Festivals sind mehr als einzelne Konzertwochenenden

Kleine Festivals sind Orte des kulturellen Austauschs, der Begegnung und des gesellschaftlichen Miteinanders. Sie bringen Musik, Theater, Literatur, Workshops und kulturelle Bildung auch in Regionen, in denen solche Angebote nicht selbstverständlich sind.

Gerade im ländlichen Raum entstehen durch Festivals zeitlich begrenzte, aber intensive kulturelle Räume. Menschen unterschiedlicher Generationen, Herkunft und Lebensrealitäten kommen miteinander ins Gespräch. Ehrenamtliche übernehmen Verantwortung, junge Menschen sammeln erste Erfahrungen in Veranstaltungsorganisation, Technik, Gastronomie und Kulturarbeit.

Beim Lonesome Lake Festival arbeiten Jugendliche und Erwachsene gemeinsam am Einlass, beim Aufbau, im Kinderbereich, im Backstage, in der Technik und auf dem Gelände. Viele junge Helfer*innen übernehmen nach kurzer Zeit eigene Verantwortungsbereiche.

Solche Erfahrungen lassen sich nicht allein in Besucherzahlen messen.

Kultur im ländlichen Raum ist nicht günstiger

Es entsteht häufig der Eindruck, Veranstaltungen außerhalb der großen Städte müssten besonders günstig umzusetzen sein. Tatsächlich ist oft das Gegenteil der Fall.

An den Schlegler Teichen gibt es keine dauerhaft vorhandene Festivalinfrastruktur. Bühnen, Technik, Strom, Toiletten, Sicherheitsstrukturen, Unterkünfte, Transporte und Logistik müssen für wenige Tage vollständig aufgebaut und organisiert werden.

Viele Dienstleister haben lange Anfahrtswege. Künstler*innen müssen untergebracht und transportiert werden. Zusätzliche Kosten entstehen durch Sicherheitsauflagen, Schallschutz, Sanitätsdienste, Genehmigungen und den Schutz des Geländes.

Seit der Coronapandemie sind die Kosten für Technik, Personal, Transport, Energie, Unterkünfte und Infrastruktur deutlich gestiegen. Diese Mehrkosten lassen sich bei einem kleinen Festival nicht einfach vollständig auf die Eintrittspreise übertragen.

Bezahlbare Tickets sind eine politische Entscheidung

Wir wollen, dass Kultur nicht nur für Menschen mit hohem Einkommen erreichbar ist.

Deshalb gibt es beim Lonesome Lake Festival:

  • deutlich ermäßigte Tickets,
  • vergünstigte Tickets für Anwohner*innen,
  • kostenlose Tickets für junge Menschen bis einschließlich 21 Jahre,
  • ein kostenloses Nachwuchsprogramm,
  • kostenfreie oder stark vergünstigte Angebote für Kinder,
  • unterschiedliche Ticketpreise nach den finanziellen Möglichkeiten der Gäste.

Die kostenlosen Jugendtickets bleiben zunächst bis zum 31. Dezember 2026 bestehen. Ob wir dieses Angebot darüber hinaus fortführen können, hängt wesentlich von der weiteren Entwicklung unserer Fördermittel ab.

Ohne öffentliche Förderung müssten wir entweder Eintrittspreise erhöhen, soziale Angebote streichen, das Programm verkleinern oder das Festival grundsätzlich infrage stellen.

Förderung erzeugt Wirkung in der Region

Festivalförderung kommt nicht nur den Veranstalterinnen und Künstlerinnen zugute.

Unsere Gäste kaufen in der Region ein, übernachten vor oder nach dem Festival in der Oberlausitz, besuchen Zittau und das Zittauer Gebirge und nutzen Gastronomie, Verkehr und touristische Angebote.

Aus Rückmeldungen und Gästebefragungen wissen wir, dass viele Besucher*innen ihren Festivalaufenthalt mit einigen Urlaubstagen in der Region verbinden oder dies zumindest erwägen.

Auch die Festivalproduktion selbst schafft regionale Umsätze: bei Bäckereien, Getränkelieferanten, Unterkünften, Transportfirmen, Handwerksbetrieben und weiteren Dienstleister*innen.

Öffentliche Kulturförderung ist deshalb nicht nur eine Ausgabe. Sie ermöglicht kulturelle Teilhabe, schafft Aufträge und stärkt die regionale Wirtschaft.

Es braucht unterschiedliche Formen von Kulturförderung

Große Kulturinstitutionen und international bekannte Veranstaltungen haben ihren berechtigten Platz in der öffentlichen Förderung.

Gleichzeitig darf Kulturpolitik nicht ausschließlich auf Einrichtungen mit fester Infrastruktur, wohlhabendem Publikum und großer institutioneller Sichtbarkeit ausgerichtet sein.

Kleine Festivals arbeiten häufig mit einem hohen Anteil ehrenamtlicher Arbeit, ohne eigene Spielstätte und ohne langfristige Planungssicherheit. Sie erreichen andere Zielgruppen, erproben neue Formate und schaffen Kultur dort, wo keine dauerhaft finanzierten Häuser vorhanden sind.

Gerade diese Vielfalt muss erhalten bleiben.

Unsere Forderungen

Wir fordern:

  1. den Festivalförderfonds des Bundes mindestens in der bisherigen Höhe von vier Millionen Euro fortzuführen,
  2. den Fonds langfristig und verlässlich abzusichern,
  3. bei Förderentscheidungen die besonderen Bedingungen kleiner Festivals und Veranstaltungen im ländlichen Raum stärker zu berücksichtigen,
  4. mehrjährige Fördermöglichkeiten zu schaffen, damit Festivals nicht jedes Jahr erneut vor einer existenziellen Unsicherheit stehen,
  5. soziale Ticketmodelle, Nachwuchsarbeit, Ehrenamt, Barrierefreiheit und internationale Begegnung stärker als förderwürdige Leistungen anzuerkennen.

Was auf dem Spiel steht

Das Lonesome Lake Festival zeigt, dass ein kleines Festival an der deutsch-tschechisch-polnischen Grenze Menschen zusammenbringen kann.

2026 waren wir zum ersten Mal ausverkauft. Das ist ein Grund zur Freude – aber keine Garantie für wirtschaftliche Sicherheit.

Ein ausverkauftes kleines Festival kann trotz ehrenamtlicher Arbeit und sparsamer Planung Verluste machen. Die Kapazität eines Geländes lässt sich nicht beliebig erhöhen. Ebenso wenig lassen sich Ticketpreise unbegrenzt steigern, ohne genau die Menschen auszuschließen, für die kulturelle Teilhabe besonders wichtig ist.

Die geplante Kürzung des Festivalförderfonds würde viele Festivals in eine Situation bringen, in der sie ihre sozialen Angebote reduzieren, ihre Programme verkleinern, pausieren oder vollständig aufgeben müssten.

Wenn kleine Festivals verschwinden, verschwinden nicht nur einige Konzerttermine. Es verschwinden kulturelle Freiräume, Netzwerke, Nachwuchsangebote und Orte des Zusammenkommens.

Unser Appell

Wir bitten die Verantwortlichen in Bund und Ländern, die geplante Kürzung zu überdenken und sich für eine verlässliche Zukunft des Festivalförderfonds einzusetzen.

Kultur braucht große Häuser. Sie braucht aber ebenso die kleinen Bühnen, improvisierten Spielorte, ehrenamtlichen Teams und unabhängigen Festivals.

Nur gemeinsam bilden sie eine vielfältige Kulturlandschaft.

Stephan Leonhardt
für das Team des Lonesome Lake Festivals
URBAN lab gUG
Schlegler Teiche bei Zittau

[Tickets und Informationen zum Lonesome Lake Festival 2027]

[Kontakt: info@lonesome-lake-festival.com]